Wie Sie den Speicherbedarf individuell ermitteln

Bisher haben wir Ihnen lediglich Richtwerte präsentiert. Diese Richtwerte bedeuten aber noch nicht, dass Sie wirklich so viel RAM benötigen, oder möglicherweise weniger oder mehr. Wie können Sie also herausfinden, wie viel Arbeitsspeicher Sie für den Rechner benötigen, oder ob Sie bereits genug einsetzen?

Bei einem Server sind häufig die Teilnehmer in Ihrem Netzwerk eine gute Informationsquelle. Wenn sie den Eindruck bekommen, dass Serverdienste langsamer ablaufen und sie länger auf Antworten warten müssen, werden sie den Netzwerkadministratoren möglicherweise darüber informieren. Allerdings funktioniert das nur bei einem Netzwerk mit überschaubarer Größe.

Deutlich effizienter und zuverlässiger ist es, die Speichernutzung direkt dort zu prüfen, wo sie stattfindet, nämlich auf dem fraglichen Rechner. Jedes Betriebssysstem verfügt über mehr oder weniger hilfreiche Werkzeuge, die es dem Administratoren ermöglichen, die Ressourcennutzung anzuzeigen. Wenn Sie feststellen, dass der Arbeitsspeicher voll ausgenutzt wird und Kapazitäten auf den Massenspeicher verteilt werden, ist klar, dass zu wenig RAM vorhanden ist. Nach dieser Feststellung gilt es dann herauszufinden, wie viel Arbeitsspeicher ausgelagert wird.

Diese Auslagerung hat einen speziellen Namen und wird Swapping genannt. Swapping bezeichnet also die Verlagerung von Informationen des RAM auf den Massenspeicher. Wir möchten an unserem Beispiel das Swapping veranschaulichen.

Stellen Sie sich vor, dass der Schreibtisch mit Akten so überfüllt wird, dass ein Teil in den Aktenschrank geräumt werden muss, weil einfach kein Platz mehr zur Verfügung steht. Dies führt natürlich dazu, dass der sonst flüssige Betriebsablauf ins Stocken gerät, weil die Akten ständig aus dem Schrank geholt werden müssen. Da es nun einmal eine Tatsache ist, dass die Akten auf dem Schreibtisch nicht weniger werden, sondern tendentiell eher mehr, muss eine Alternative geschaffen werden. Diese Alternative könnte so aussehen, dass Sie den Schreibtisch vergrößern oder aufstocken, indem Sie ein Schnellregister für die aktuellen Dokumente verwenden. In jedem Fall werden Sie dafür sorgen, dass Akten, mit denen Sie ständig arbeiten müssen, schnell griffbereit sind.

Um also in Ihrem Computer das Swapping zu verhindern, gibt es nur zwei Alternativen: Entweder Sie verringern den Bedarf an Arbeitsspeicher, oder Sie erhöhen seine Kapazitäten. In aller Regel hat der Administrator aber gar nicht diese Entscheidungsfreiheit, weil der meiste Speicherbedarf durch die Netzwerkteilnehmer entsteht. Daher ist eine Erhöhung der Speicherkapazität oft die einzige Möglichkeit, die optimale Leistung eines Systems zu erhalten.

Wie das Swapping stattfindet, hängt vom Betriebssystem ab. Während UNIX-Systeme eine ganze Partition für Swapping vorsehen, benutzt Windows nur eine sogenannte „virtuelle Datei“. In jedem Fall können Sie prüfen, wie viel Arbeitsspeicher das Swapping-Medium verbraucht, egal ob Datei, oder Partition. Sie sollten wenigstens so viel Arbeitsspeicher einbauen, dass der Swapping-Effekt vermieden wird, zuzüglich einer Reserve. Ein guter Richtwert für diese Reserve liegt bei etwa 50% der Swapping-Kapazität.

Ein Beispiel: In Ihrem Fileserver befinden sich 256MB RAM. Sie öffnen das Programm, das die Ressourcenverwaltung anzeigt. Die Anzeige sieht häufig eine Tabelle vor, die die Prozessorleistung in Prozent und den Speicherverbrauch in KB, und/oder ebenfalls in % anzeigt. In einigen Extremfällen könnte die Anzeige etwa so aussehen:

CPU Memory
36% 262144K / 262144K

Mit dieser Information können Sie feststellen, dass zu wenig RAM vorhanden ist, weil der Arbeitsspeicher komplett ausgereizt wird. Dieses Beispiel ist jedoch sehr unrealistisch, da es praktisch nie zu einer exakt 100%igen Auslastung kommt. In aller Regel wird nämlich aus Sicherheitsgründen bereits bei 95% Last geswappt. Hinzu kommt, dass die Anzeige nur für den Augenblick gilt und wir nicht erfahren, ob – falls die Auslastung beispielsweise nur 60% anzeigt – es vorher möglicherweise doch schon einmal zu Swapping gekommen ist. Als nächstes ist daher zu prüfen, wie viel Arbeitsspeicher geswappt wird, oder wurde. Tun Sie das, indem Sie sich die Größe der Swap-Partition, bzw. der Auslagerungsdatei anzeigen lassen. Eine realistische Anzeige ist beispielsweise

CPU Memory Swap
36% 231498K / 262144K 153583K

Angenommen die Auslagerung beträgt 150MB, dann würde die Rechnung folgendermaßen verlaufen:

Erweiterung um die Swap-Nutzung 150MB
+ 50% der Swapnutzung 75MB
= Richtwert für Speichererweiterung 225MB
Empfohlenes Modul 256MB

In diesem Beispiel sind wir rechnerisch auf einen Erweiterungswert von 225MB gekommen. Nun gibt es aber keine 225MB-Module, weshalb wir die nach oben hin gesehen nächste Kapazitätsgröße gewählt haben. Eine Orientierung nach unten ist nicht sinnvoll, weil der nächst kleinere Wert nur halb so viel Speicherkapazität bietet, wie der höhere. In unserem Falle wären das nur 128MB, was nicht einmal dazu reichen würde, das aktuelle Swapping-Problem zu lösen.

Falls Sie rechnerisch festgestellt haben, dass Sie, wie wir, die Speicherkapazität verdoppeln möchten, gibt es noch eine Alternative zu einem 256MB-Modul. Im Allgemeinen gibt es bei der Verwendung mehrerer Speichermodule einen Leistungsverlust, der bei der Speicherorganisation entsteht. Diesem Verlust wird in professionell administrierten Systemen vorgebeugt, indem das alte Modul durch ein Modul der doppelten Größe ersetzt wird. In unserem Fall würden wir also ein 512MB-Speichermodul erwerben und das alte Modul entfernen. Jedoch sei gesagt, dass das System auch mit zwei 256MB-Modulen stabil funktionieren würde, nur eben nicht mit der optimalen Leistung.

Fazit

Der Speicherbedarf für Ihr System hängt von mehreren Faktoren ab, die alle berücksichtigt werden sollen. Wie immer gilt: Falls Sie sich nicht sicher sind, sollten Sie sich lieber die Zeit für eine qualifizierte Beratung nehmen, anstatt intuitiv einzukaufen. Sind Sie sich allerdings nun sicher, wie viel Arbeitsspeicher Sie benötigen, ist es an der Zeit Ihren Modultyp zu ermitteln. Sie werden später feststellen, dass sich das von uns vorgestellte Konzept auch bei Ihnen bewährt. Lesen Sie das Kapitel Modultypen, um zu erfahren, welche Art von Modulen es gibt.